GLYPHOSAT IST NICHT DAS EIGENTLICHE PROBLEM

Die größte französische (Groß)bauerngewerkschaft FDSEA will offenbar die momentane Schwäche der Regierung ausnützen, um das verhasste Glyphosatverbot zurückgängig zu machen:

[Sie] kündigte für die gesamte kommende Woche Demonstrationen in verschiedenen Städten an. Gewerkschaftschefin Christiane Lambert sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von ‚Bauern-Bashing‘ durch die Regierung und zu hohe finanzielle Belastungen. Die Landwirte fühlten sich unter anderem durch das Vorgehen der Regierung gegen den Unkrautvernichter Glyphosat ‚gedemütigt‘, der für Krebserkrankungen verantwortlich gemacht wird, sagte Lambert. (ZEIT online)

Glyphosat ist mir persönlich genauso unsympathisch wie vermutlich den meisten meiner Leser. Aber solche Meinungen sind ziemlich wertlos. Sie spiegeln nur die persönlichen Werthaltungen und Überzeugungen wider. Entscheidend ist, das Ganze und die Wechselwirkungen seiner Elemente im Blick zu haben, das System und seine Teilsysteme:

  • Die Marktwirtschaft basiert auf freien Märkten.
  • Freie Märkte basieren auf einer Preisbildung durch Konkurrenz.
  • Konkurrenz begünstigt die Stärkeren und Größeren.
  • Je stärker und größer, desto mehr können die Preise gesenkt werden (große Mengen kompensieren kleine Gewinne; Kleinvieh macht auch Mist).
  • Je schwächer die Kleinen sind, desto weniger Einfluss haben sie auf die Preisbildung. Sie werden so systemisch aus dem Markt gedrängt.
  • In der Landwirtschaft bedeutet Größe: Großbauern. Die Kleinbauern sind deshalb heute weitgehend verschwunden.
  • Großbauern bedeutet industrielle Landwirtschaft und Massentierhaltung.
  • Massentierhaltung bedeutet grenzenloses Tierleid und grottenschlechte Fleischqualität.
  • Industrielle Landwirtschaft bedeutet riesige Anbauflächen in Monokultur und grottenschlechte Obst- und Gemüsequalität.
  • Eine Monokultur ist nicht ökologisch bewirtschaftbar, sondern nur mit Einsatz von Kunstdünger, Herbiziden und Pestiziden wie Glyphosat.
  • Die perverse Logik der Marktwirtschaft führt über die industrielle Landwirtschaft in gerader Linie zu Glyphosat.
  • Den Landwirten Glyphosat zu verbieten, ohne zugleich etwas an dieser Logik zu verändern ist hirnrissig. Die von der Politik, der Wirtschaft und ihren Lobbyisten jahrzehntelang vorangetriebene industrielle Landwirtschaft kann ohne Mittel wie Glyphosat nicht funktionieren. Ein Verbot genau jenes Produktes, auf dem das Geschäftsmodell industrielle Landwirtschaft basiert ist als zöge man jemanden den Stuhl unterm Hintern weg, ohne ihn aufzufangen. Es bedroht die Existenz der Landwirte.
  • Glyphosat ist eine der Voraussetzungen der industriellen Landwirtschaft. Die ist das eigentliche Problem. Glyphosat ist nur das Symptom.
  • Glyphosat zu verbieten ist also Symptombekämpfung. Es ist eine klassische Scheinlösung.
  • Die grundlegende Lösung kann nur darin bestehen, die Logik des Systems Industrielle Landwirtschaft zu durchbrechen.

Bitte teilen! Vielen Dank.


PS: Der ursprüngliche Titel – „GLYPHOSAT NICHT IST DAS EIGENTLICHE PROBLEM“ – war leider Joda-Deutsch. 😂 Sorry.

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